drucken

Gwendolyn

Gwendolyn

AT/GB 2017, 85 min, R: Ruth Kaaserer, K: Serafin Spitzer 


Ein verführerischer Film über eine tolle Frau, die nach einer Krebserkrankung ein Comeback als Athletin anstrebt.

Erst spät entdeckte die pensionierte Anthropologin Gwendolyn Leick ihre zweite Leidenschaft. Mit fünfzig betrat sie zum ersten Mal einen Gewichtheberklub, mit sechzig überraschte sie sämtliche Kritiker und wurde dreifache Weltmeisterin. Auf den ersten Blick zart und zerbrechlich, würde man der intellektuellen älteren Dame den ultimativen Kraftsport unter keinen Umständen zutrauen. Doch wenn sie dann mit herausforderndem Blick der Hantel gegenübersteht, gibt es keinen Zweifel, dass sie es ernst meint.
Es ist ein Jahr der Veränderung, das die gebürtige Österreicherin Gwendolyn erlebt. Mitte der 70er Jahre wanderte sie nach England aus, um ihre Doktorarbeit über babylonische Flüche zu schreiben. Erst kürzlich pensioniert, lebt die elegante ältere Dame mit ihrem Sohn Joseph im 16. Stock eines modernen Hochhauses im tiefen Osten Londons. Während der fitnessgestählte Joseph mit Präzision Quiltdecken näht, berät er seine Mutter bei ihrem neuen Buch: ein literarisches Werk über ihre amerikanische Großmutter Mabel Haynes und ihre Freundschaft mit der Schriftstellerin Gertrude Stein. Bereits Mabel, Tochter aus gutem Hause, bewegte sich in einer Männerdomäne und wurde Ärztin zu einer Zeit, in der dies für Frauen alles andere als selbstverständlich war. Auch Gwendolyn sucht das Außergewöhnliche. Sie ist permanent auf der Suche nach dem Unbekannten, geprägt von einer unersättlichen Neugierde. Wenn sie nicht schreibt oder trainiert, besucht sie ihren um zwanzig Jahre jüngeren ivorischen Mann Charlie. Der wohnt ein paar Meilen entfernt und ist müde von seinen Jobs als Security Guard und Restaurantlieferant. Die Unterschiede ihrer Lebensweisen machen ihre Ehe aus.
Eigentlich könnte Gwendolyn mit Gelassenheit ihren letzten Lebensabschnitt angehen, doch etwas hält sie auf: Sie hat Speicheldrüsen-Krebs, der kontinuierlich wächst und operativ entfernt werden muss. Ähnlich stoisch, wie sie Gewichte hebt, lässt sie sich auch von der Krankheit nicht verunsichern, die ihr doch deutlich zusetzt.
Gwendolyn überrascht stets. Von einem Moment auf den anderen erscheint sie in neuem Licht, nicht nur infolge ihrer Operationen. Ihr schiefes Lächeln jedoch wirkt so selbstverständlich, als wäre es schon immer da gewesen.
Anstatt sich aus gesundheitlichen Gründen zu schonen, plant sie ihr Comeback als Gewichtheberin. An der Seite ihres treuen Trainers Pat trainiert sie für die Europameisterschaft in Aserbaidschan. Dort wird sich zeigen, ob sie weiterhin international antreten kann.
GWENDOLYN ist das Porträt einer beeindruckenden Frau, die sich ohne Furcht den Herausforderungen ihres Lebens stellt. Es ist ein Film über das Älterwerden, über Grenzen und Möglichkeiten und letztendlich ein Film über eine große Abenteurerin.

__ Mein zweiter Geheimtipp: GWENDOLYN von Ruth Kaaserer. Diese Geschichte einer Anthropologin aus Österreich führt einen zunächst ein bisschen in die Irre, um sich dann sehr spannend zum Porträt einer hochinteressanten Frau zu entwickeln. Ein ausgezeichneter Film.
– Franz Schwarz, Direktor Viennale 2017

__ GWENDOLYN nimmt sich Zeit, zu schauen und zuzuhören – Zeit auch dafür, das leicht schiefe Gesicht dieser tollen Frau zu studieren, ihren federleichten Körper, der ebenso einer grazilen Tänzerin gehören könnte. – Der Standard

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Gwendolyn
Moviemento-Programmzeitung
Nr 350 - März 2018
Frau.Macht.Film 2018Grüne FilmTage 50+RearviewFilmreihe: Zwischen den KriegenPremiere: Weapon of ChoicePremiere: Zu ebener Erde