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Ammonite

Ammonite

GB 2020, 118 min, R: Francis Lee, K: Stéphane Fontaine, D: Kate Winslet, Saoirse Ronan, Gemma Jones, James McArdle, Alec Secăreanu, Fiona Shaw 


Im England der 1840er Jahre entsteht zwischen einer Fossilienforscherin und einer jungen Frau eine intensive Beziehung.

England, Mitte des 19. Jahrhunderts: Resigniert von der männlich dominierten Wissenschaftswelt Londons, hat sich die einst gefeierte Paläontologin Mary in ein Provinznest an der Küste im Südwesten Englands zurückgezogen. Dort hält sie sich und ihre von Krankheit gezeichnete Mutter mühsam mit dem Verkauf von Fossilien an Touristen über Wasser. Deshalb kann Mary auch das lukrative Angebot eines wohlhabenden Kunden keinesfalls ausschlagen, der ihr seine schwermütige junge Ehefrau Charlotte zur Erholung in Obhut geben will, um seine Studienreise ungestört fortsetzen zu können. Mary begegnet ihrem ungewollten Gast zunächst kühl und abweisend, bis Charlotte schwer erkrankt und Marys volle Aufmerksamkeit erfordert. Einhergehend mit Charlottes Genesung gewinnt auch Mary langsam die Lebensfreude zurück, und ihre schroffe Fassade beginnt zu bröckeln. Aus den für beide unerwarteten Glücksgefühlen entwickelt sich bald leidenschaftliche Begierde, die alle gesellschaftlichen Konventionen ins Wanken bringt und den Lebensweg beider Frauen unwiderruflich verändern wird.
So präzise und vorsichtig, wie die von Kate Winslet verkörperte Wissenschaftlerin hier Schicht für Schicht ihre an einem Strand im südwestenglischen Dorset (der sogenannten „Jurassic Coast“) gesammelten Steine abträgt, um die im Inneren verborgenen Fossilien freizulegen, so wächst Schritt für Schritt auch die Leidenschaft zwischen ihrer Figur und der von Saoirse Ronan gespielten jungen Ehefrau. Mittels minimaler Mimik und sparsamer Gesten offenbart sich allein aus der Körpersprache der beiden Ausnahmeschauspielerinnen eine überbordende Gefühlswelt, die lange nachhallt. Mit dieser betont leisen Handschrift gelingt es Lee, einen überraschend modernen Befreiungsprozess auf die Leinwand zu zaubern. Seinen besonderen Reiz verdankt das puritanisch-viktorianische Sittengemälde nicht zuletzt den pittoresk-rauen Landschaftsbildern, die an das Werk von William Turner erinnern und sich in den ausdrucksstarken Gesichtern von Winslet und Ronan widerspiegeln.

__ Winslet und Ronan agieren herausragend. Mit ihrem virtuosen Spiel gehen sie an die Grenze des Erträglichen, zumal sie ihre Unsicherheit durch ein nuanciertes nonverbales Spiel vermitteln. – Cineman

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
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Nr 380 - November 2021
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