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Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien

Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien

DE 2020, 124 min, R: Bettina Böhler, D: Christoph Schlingensief, Tilda Swinton, Udo Kier, Corinna Harfouch, Sophie Rois, Helge Schneider 


Ein Film über den 2010 mit 49 Jahren verstorbenen Film- und Theaterregisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief.

Er hat über mehrere Jahrzehnte hinweg ein künstlerisches Werk geschaffen, das in seiner Art und Wirkung unvergleichbar ist.
SCHLINGENSIEF – IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN von Bettina Böhler unternimmt als erster Film den Versuch, den Ausnahmekünstler Schlingensief, der 2010 im Alter von nur 49 Jahren verstarb, in seiner ganzen Bandbreite zu dokumentieren. Der Fokus des Films ist Schlingensiefs Auseinandersetzung mit Deutschland. Sein Verhältnis zu diesem Land war sehr widersprüchlich: Einerseits verspürte er eine Verbundenheit mit den Menschen und Orten seiner Herkunft, seiner Kernfamilie und so etwas wie »Heimat«, andererseits rebellierte er gegen sie – auch gegen den Kleinbürger in sich selbst – und provozierte bis hin zur Forderung »Tötet Helmut Kohl« auf der documenta X 1997. Dass er 2004, am deutschesten Ort der Hochkultur, in Bayreuth, Wagners Erlöser-Oper »Parsifal« inszenieren durfte und später die Einladung erhielt, den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig zu gestalten, erfüllte ihn auch mit Stolz, weil er erkannte, dass die Hassliebe zu seinem Land doch noch mit Anerkennung erwidert wurde. Es ist ein Montage-Film der Editorin Bettina Böhler, die zwei der wichtigsten Filme von Christoph Schlingensief, TERROR 2000 und DIE 120 TAGE VON BOTTROP, geschnitten hat. Ihr Film besteht aus sehr umfänglichem Archivmaterial aus vier Jahrzehnten: Ausschnitte aus seinen Spielfilmen, Theateraufzeichnungen, Aktionen, Fernsehproduktionen, Privataufnahmen und Auftritten in Talkshows. Erzähler ist Schlingensief selbst. Das Mittel der Montage, Überlagerung von Bildern, Texten und Inhalten, war ein Kernelement seines gesamten Werkes.

REGIESTATEMENT
Einen Film über Christoph Schlingensief zu machen ist für mich zugleich Wagnis und Herzensangelegenheit. Ich selbst habe als Filmeditorin mit Christoph in den neunziger Jahren zweimal zusammengearbeitet, bei TERROR 2000 und DIE 120 TAGE VON BOTTROP. Die Arbeit an diesen Filmen und die Zeit mit ihm habe ich als sehr intensiv in Erinnerung. Ich habe Christoph als klugen, empathischen und auch verletzlichen Menschen erlebt, mit einem untrüglichen Gefühl dafür, den Finger in die Wunde zu legen. Es geht darum, Christoph Schlingensief als Freund und Künstler in öffentlicher Erinnerung zu behalten. Eine Auseinandersetzung mit dem Werk dieses außergewöhnlichen und umstrittenen Regisseurs, der es über Jahrzehnte geschafft hat, auf provokative und emotionale Weise Deutschland den Spiegel vorzuhalten, verspricht eine aufrüttelnde politische Wirkung. Ich denke, er fehlt, gerade in der heutigen Zeit. Schlingensief war einer der politischsten Künstler dieses Landes. Er hat, mit seinen Mitteln, nicht nur die Bilder, Emotionen und Zustände der Kultur zerstückelt – bis hin zum Tempel der deutschesten aller Hochkulturen: dem Festspielhaus in Bayreuth –, sondern sich immer wieder in die Politik eingemischt.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien
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