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Tonsüchtig

Tonsüchtig

AT 2020, 90 min, OdF, R: Malte Ludin, Iva Svarcová, K: Helmut Wimmer, Gabriel Krajanek 


Die Wiener Symphoniker – herrliche Musik, große Gefühle. Ein Film über den »Wiener Klang« und über Orchestermusiker zwischen Grandiosität und inneren Zerreißproben.

»Fast wie ein Rausch«– so beschreibt eine junge Musikerin das Erlebnis, Teil eines so renommierten Orchesters zu sein. Der Kinodokumentarfilm TONSÜCHTIG von Iva Švarcová und Malte Ludin erlaubt erstmals einen Blick hinter die Kulissen der Wiener Symphoniker, der Hüter des weltberühmten »Wiener Klangs«. Das Besondere an diesem Film: er zeigt auch die Schattenseiten des Musikerdaseins, erzählt von Versagens- und Verlustängsten und davon, wie schmal der Grat zwischen Triumph und Desaster sein kann – Kunst als Hochseilakt.
TONSÜCHTIG bricht auch eine Lanze für mehr »Frauenpower« in dieser – immer noch – männlich dominierten Welt: denn das nervenaufreibende Probespiel für die Stelle des Konzertmeisters kann eine Frau, Sophie Heinrich, gegen alle Konkurrenten für sich entscheiden.
Und wie lässt sich der legendäre »Wiener Klang“«definieren? Er habe etwas »Sinnliches«, etwas »Leichtes«, meint Chefdirigent Philippe Jordan. Diesen Klang zu pflegen, das macht der Film deutlich, ist keineswegs »Anbetung der Asche« sondern: »die Weitergabe des Feuers«.

REGIESTATEMENT
Die Idee, das Innenleben eines großen Orchesters zu beleuchten, kam uns, als wir im Konzertsaal saßen. Vor uns auf der großen Bühne die Wiener Symphoniker, an die 100 Persönlichkeiten, Charaktere, Individuen, die unter dem Taktstock des Dirigenten zu einem einzigen Instrument werden. Wir haben uns gefragt, was sich wohl unter der scheinbar glatten, perfekt funktionierenden Oberfläche dieses Klangkörpers abspielt.
Wir lernten das Orchester kennen. Es entstand eine vertrauensvolle Beziehung. Nachdenklich und offen sprachen die Musiker über die Zwänge, denen sie seit früher Kindheit ausgesetzt waren. Sie offenbarten uns ihr lebenslanges Streben nach einer Perfektion, von der sie ahnen, dass sie unerreichbar bleibt. Ob sie aus bürgerlichen Familien kamen, in denen klassische Musik zum Selbstverständnis gehört, oder aus der Volksmusik, ob der Weg zum Musiker geebnet war oder erkämpft werden musste – immer war der Preis hoch und mit Verzicht verbunden. Erstaunt hörten wir, dass sie sich mit Leistungssportlern vergleichen. Für uns sind sie viel mehr als das. Sie müssen nicht nur Höchstleistungen an Konzentration und Körperbeherrschung liefern, sondern auch all ihre Sinne öffnen, um mit der Musik, die sie spielen, eins zu werden. Im Unterschied zu Leistungssportlern werden sie von Kräften getragen, die sich einer rationalen Kontrolle entziehen.

Nächste Spieltermine:

Sa. 26. September 16.15 Uhr OdF Movie 2
Mo. 28. September 18.15 Uhr OdF Movie 2
Zum Reservieren klicken Sie bitte auf den gewünschten Termin. Bitte beachten Sie, dass u. U. nicht für jede Vorstellung reserviert werden kann.
Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
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