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Das geheime Leben der Bäume

Das geheime Leben der Bäume

DE 2020, 96 min, R: Jörg Adolph, K: Daniel Schönauer, Jan Haft 


Als Peter Wohlleben 2015 sein Buch »Das geheime Leben der Bäume« veröffentlicht, stürmt er damit über Nacht alle Bestsellerlisten: Wie der Förster aus der Gemeinde Wershofen hat noch niemand über den deutschen Wald geschrieben.

Auf unterhaltsame und erhellende Weise erzählt Wohlleben von der Solidarität und dem Zusammenhalt der Bäume und trifft damit bei seiner stetig wachsenden Lesergemeinde einen Nerv: In Waldführungen und Lesungen bringt er den Menschen diese außergewöhnlichen Lebewesen näher. Wohlleben reist nach Schweden zum ältesten Baum der Erde, er besucht Betriebe in Vancouver, die einen neuen Ansatz im Umgang mit dem Wald suchen, er schlägt sich auf die Seite der Demonstranten im Hambacher Forst. Weil er weiß, dass wir Menschen nur dann überleben werden, wenn es auch dem Wald gut geht – und es bereits fünf vor zwölf ist…
Unter der Regie von Jörg Adolph und begleitet von einmaligen Naturaufnahmen von Jan Haft (DAS GRÜNE WUNDER) kommt der Bestseller nun ins Kino. Die fesselnde Dokumentation gibt einen faszinierenden Einblick in das komplexe Zusammenleben der Bäume und folgt gleichzeitig Peter Wohlleben dabei, wie er auch außerhalb der Landesgrenzen für ein neues Verständnis für den Wald wirbt. Auf diese Weise entsteht ein ebenso intimes wie humorvolles Porträt.

Aus einem Interview
mit Peter Wohlleben:
Zunächst müssen Sie noch einmal erzählen, was Sie dazu gebracht hat, »Das geheime Leben der Bäume« zu schreiben – und warum ausgerechnet dieses Buch so ungemein erfolgreich geworden ist.
PETER WOHLLEBEN: Grundsätzlich muss ich erst einmal sagen, dass ich mich nie als Schriftsteller oder Autor gesehen habe. Ich bin Förster. Das war immer mein Traumberuf und ist es auch heute noch, ihm gehört meine ganze Leidenschaft. Zum Schreiben hat mich meine Frau gedrängt: Sie war es, die mir nahegelegt hat, das niederzuschreiben, was ich den Menschen bei meinen Führungen durch den Wald in den letzten 30 Jahren erzähle. Weil sie gerne auch nachlesen wollten, was sie gehört hatten, es aber keine entsprechende Literatur gab, hatte meine Frau die Idee, ich müsse das übernehmen. Schreib das doch mal auf! Ich habe mich überreden lassen: So bin ich zum Schreiben gekommen. Vor »Das geheime Leben der Bäume« hatte ich bereits 15 Bücher verfasst und dabei eher pessimistisch über den Zustand der Forstwirtschaft und der Wälder in Deutschland berichtet, womit ich mich politisch natürlich nach wie vor auseinandersetze. Zum Lesen ist das natürlich nicht so schön. Man kann sich der Sache aber auch anders nähern. Man kann nämlich erst einmal erzählen, was für wunderbare Wesen Bäume überhaupt sind, was viele auf diese Weise gar nicht wissen. Im Vorfeld der Buchveröffentlichung wurde auch von vielen Seiten, insbesondere der Presse, abgewunken: Die dachten, das ist stinklangweilig – ein Buch über Bäume, naja, was soll daran schon so toll sein... Wichtig ist, denke ich, eine positive Grundhaltung. Man kann schon kritisch sein, wobei das in diesem Buch überhaupt nicht im Vordergrund steht, aber es wäre gut, wenn es ein Happy End gibt. Das Schöne ist: Das ist auch gar nicht ausgeschlossen, auch in Bezug auf Klimawandel und all diese Dinge.

Sind Sie wirklich optimistisch?
PETER WOHLLEBEN: Wir sagen uns gerne, dass es die heile Welt nicht mehr gibt, wer von der vermeintlich heilen Welt träumt, betreibe Eskapismus. Ich glaube, das stimmt nicht. Unser Problem ist, dass wir die Natur über Jahrhunderte viel zu technisch gesehen haben, als große Maschine, als Räderwerk, als seien die Bäume unbeseelte Bio-Automaten, die um uns herum arbeiten. Jetzt weiß man, dass die scharfe Trennung zwischen Tier und Pflanze gar nicht existiert. Die konservative Wissenschaft überholt momentan die Esoterik. Beispielsweise wurde in den letzten Jahren erforscht, dass Pflanzen richtig Schmerzen empfinden können. Die Wissenschaft untermauert, was die Esoteriker lange schon vermuten. Das reicht so weit, dass wir mittlerweile wissen: Bäume können zählen, haben ein Gedächtnis, können sich erinnern und Wissen weiterreichen. Das hätte man höchstens, wenn überhaupt, im Reich der Tiere vermutet. Tatsächlich betreiben wir mit unserem Wunsch nach der heilen Welt keinen Eskapismus. Vielmehr ist es so, dass wir uns als Menschen von der Natur entfremdet haben. Langsam kehren wir wieder zum Normalen zurück: Bäume sind fühlende Wesen – und warum auch nicht? Das fühlt sich auch richtiger an. Mit dem Bauch haben wir das schon immer gewusst.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Das geheime Leben der Bäume
Moviemento-Programmzeitung
Nr 374 - März 2020
Kunst im Kino - Saison 2020/21Klassik im Kino