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Waldheims Walzer

Waldheims Walzer

AT 2018, 93 min, OmdtU, R: Ruth Beckermann 


Dokumentation, die mit Hilfe von Archivmaterial die Aufdeckung der Kriegsvergangenheit des UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim nachzeichnet.

WALDHEIMS WALZER ist ein Film über Lüge und Wahrheit. Über „alternative Fakten“. Über individuelles und kollektives Bewusstsein. Eine Analyse der Entlarvung des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim durch den Jüdischen Weltkongress. Und ein Lehrstück über den erfolgreichen Einsatz von antisemitischen Parolen und populistischer Propaganda während eines Wahlkampfes.
Ruth Beckermann dokumentiert, wie während des Wahlkampfes des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten im Jahr 1986 die Lücken in seiner Kriegsbiografie vom Jüdischen Weltkongress in New York aufgedeckt wurden. Dies hatte in Österreich zu nationalem Schulterschluss, antisemitischen Ausschreitungen und schließlich zu seiner Wahl geführt. Mittels internationalen Archivmaterials sowie Beckermanns selbst gedrehter Videoaufnahmen analysiert der Film den Zusammenbruch der österreichischen Lebenslüge, erstes Opfer der Nazis gewesen zu sein. Und er zeigt die Mechanismen der Mobilisierung hetzerischer Gefühle – damals wie heute.

AUS EINEM INTERVIEW MIT DER REGISSEURIN
1986 wird Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt, 2000 kommt Schwarz-Blau I an die Regierung. Wir treffen uns zu diesem Interview zwei Tage nach der Angelobung der Regierung Kurz/Strache, 17 Jahre nach Schwarz-Blau I. Wie in einem Zyklus von rund 15 Jahren scheint es in Österreichs politischer Landschaft einen Ruck nach rechts zu geben bzw. die österreichische Gesellschaft von ihrer Vergangenheit eingeholt zu werden. Wie sehr scheint Ihnen die Affäre Waldheim symptomatisch für das politische Terrain Österreich, um diese noch einmal aufzugreifen?
Ich habe die ersten Recherchen für diesen Film schon vor „Die Geträumten“ begonnen und dann verschoben. Anlass, mich diesem Thema wieder zuzuwenden, war, dass ich selbst gedrehtes Material von damals, also 1986, wieder gesehen habe und junge Leute – die Generation meines Sohnes –, die noch nicht einmal geboren waren, mich anstachelten, einen Film zu machen. Das politische Terrain Österreich ist, so absurd es klingt, noch immer vom Nationalsozialismus mitbestimmt. Die Affäre Waldheim war aber die Kehrseite der Phänomene Hofer/Strache und des jetzigen Zustandes. In der Waldheim-Affäre ging es darum, endlich mit der Vergangenheit halbwegs ins Reine zu kommen, d.h. die österreichische Opferlüge aufzubrechen. Man begann endlich, die Beteiligung der Österreicher am Nationalsozialismus aus einer anderen Perspektive zu sehen. Die Wahrheit hat sich schließlich durchgesetzt, auch wenn es lange gedauert hat. Franz Vranitzkys Rede über die Mitschuld der Österreicher fand ja erst 1991 statt. Was Hofer und Strache heute tun, ist das Gegenteil: Sie benutzen Elemente aus der Ideologie des Nationalsozialismus, um die Zukunft zu gestalten. Um das zu verdecken, üben sie ein scheinheiliges Gedenken. Das ist das Schlimme an der aktuellen Entwicklung.

__ Ein Film zur rechten Zeit. – Der Standard

__ Ruth Beckermanns persönliches dokumentarisches Essay erinnert an ein innenpolitisches Erdbeben, das Österreich im Jahre 1986 erschütterte, als die NS-Vergangenheit von Kurt Waldheim bekannt wurde, der später zum Bundespräsidenten gewählt wurde. – Kino-Zeit

__ Ein Film über gestern, der vor allem deswegen so spannend ist, weil er viel über heute erzählt. – Programmkino.de

Nächste Spieltermine:

Do. 25. Oktober 16.00 Uhr OmU Movie 3
Fr. 26. Oktober 14.00 Uhr OmU Movie 2
Sa. 27. Oktober 14.00 Uhr OmU Movie 2
So. 28. Oktober 15.30 Uhr OmU Movie 2
Di. 30. Oktober 16.15 Uhr OmU Movie 3
Zum Reservieren klicken Sie bitte auf den gewünschten Termin. Bitte beachten Sie, dass u. U. nicht für jede Vorstellung reserviert werden kann.
Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
Waldheims Walzer
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