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Offenes Geheimnis

Todos lo saben

ES/FR/IT 2018, 132 min, R: Asghar Farhadi, K: José Luis Alcaine, D: Penélope Cruz, Javier Bardem, Ricardo Darín, Eduard Fernández, Bárbara Lennie, Inma Cuesta 


Drama zwischen Thriller und Melodram um ein ehemaliges Liebespaar, das sich nach Jahren bei einer Hochzeit wieder trifft.

Laura kommt nach Jahren zurück in ihr Heimatdorf, irgendwo außerhalb von Madrid, wo ihre Schwester heiratet. Sie hat ihre beiden Kinder dabei, ihr Mann ist in Argentinien geblieben. Man begrüßt sich, begegnet sich, und ob man will oder nicht, werden alte Wunden aufgerissen. Laura hatte einst eine heiße Affäre mit Paco, dem Sohn des Dieners, mit dem sie groß geworden ist in dem Haus ihrer Eltern und der es als Weinbauer zu einigem Ansehen gebracht hat. Er ist glücklich mit seiner Frau, die er liebt. Jeder weiß davon. Es ist ein Dorf, die Dinge sprechen sich herum. Jeder weiß auch, dass Laura Paco verlassen hat und mit ihrem jetzigen Mann ins Ausland gegangen ist. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn während der Hochzeitsfeier nicht ein Verbrechen passieren würde, eine Entführung. Und auf einmal ist es eben nicht mehr so einfach, das einstmals Vorgefallene wegzulächeln. Jetzt geht es um Leben oder Tod. Und auf einmal wird wichtig, was wer wann über wen gewusst hat.

AUS EINEM INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR
Wie kam es zu diesem Filmprojekt?
Vor 15 Jahren reiste ich durch den Süden von Spanien. Die Atmosphäre, die dieses Land versprühte, und seine Kultur haben mich fasziniert. Damals sah ich in einer kleinen Stadt Bilder eines Kindes, die an Mauern und Wände geklebt waren. Es handelte sich um ein Kind, das spurlos verschwunden war. Ich habe diese Bilder nicht vergessen können und schrieb zunächst eine Kurzgeschichte über dieses Thema, die ich dann weiterentwickelte. Das war vor etwa vier Jahren – ich hatte gerade LE PASSÉ abgedreht. Anschließend habe ich vier Jahre lang am Drehbuch zu OFFENES GEHEIMNIS gearbeitet.

Warum sollte die Geschichte in einer Kleinstadt spielen und nicht in einer Metropole wie Madrid?
Ich bin der Meinung, dass sich die Geschichte in dieser Form nur in einem Dorf abspielen kann. In einer kleinen Gemeinde stehen sich die Menschen näher, und man geht anders miteinander um. Dazu kommt noch, dass es schon lange mein Wunsch war, einmal in einer Kleinstadt zu drehen, mitten in der Natur. Ich habe gezielt nach einer Geschichte gesucht, die weit entfernt vom Trubel einer Großstadt spielt. Das hat wohl unterbewusst dazu geführt, dass ich meine Geschichte an einem Ort in der Natur angesiedelt habe, wo es einen Bauernhof gibt, ein Gut, ein Dorf. Das weckt eine gewisse Nostalgie in mir. Die Figuren in meinem Film stammen aus einfachen Verhältnissen und finden sich in einer komplizierten Situation wieder.

Haben Sie das Drehbuch in Farsi geschrieben, bevor es ins Spanische übersetzt wurde?
Ja, und ich habe mir viel Zeit dafür genommen, bis alles stimmte. Vor vier Jahren habe ich angefangen, mich intensiv mit OFFENES GEHEIMNIS zu beschäftigen, und die Übersetzung wurde parallel zu meiner Arbeit verfasst. Die Geschichte selbst hat sich im Lauf der Jahre stark verändert. Ich habe Spanien mehrfach bereist und mich mit Freunden unterhalten, die dort leben. Das hat einen starken Einfluss auf mein Drehbuch gehabt. Aber geschrieben habe ich immer in Farsi. Glücklicherweise kommt die übersetzte Version dank der Hilfe meines Kollegen Massoumeh Lahidji, der mit meinem Schreibstil vertraut ist, dem sehr nahe, was ich in meiner eigenen Sprache zu Papier gebracht hatte. Das Ziel war, in Spanisch auszudrücken, was ich in persischen Worten fühle.

// Filmografie Asghar Farhadi (Auswahl)
2009 Alles über Elly
2011 Nader und Simin –
Eine Trennung
2013 La Passé – Das Vergangene
2016 The Salesman
2018 Offenes Geheimnis

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Offenes Geheimnis
Moviemento-Programmzeitung
Nr 356 - September 2018
Klassik im Kino 18/19Rearview