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I’m a bad guy

I’m a bad guy

AT 2017, 91 min, OdF, R: Susanne Freund, K: Jerzy Palacz 


Adolf Schandl ist Pensionist, Stein-Ausbrecher, Karlau-Geiselnehmer. Ein Stück österreichischer Kriminalgeschichte.

Adolf Schandl tanzt gern und gekonnt. Dazu braucht er keine Partnerin. Der gepflegte alte Herr genügt sich selbst. Er bewältigt seinen Alltag im Alleingang und mit Bravour, hält seine 28 m² im 4. Stock ohne Lift picobello in Schuss, und er hält sich selbst in Schuss. Kein Tag ohne die obligate Morgengymnastik. Niemand käme auf die Idee, dass der lustige Kerl 80 Jahre alt ist, und schon gar nicht, dass er 40 Jahre Gefängnis hinter sich hat und erst seit kurzem frei ist. »Mich sperrt niemand ein«, war stets das Motto des mäßig begabten Einbrechers, und so hat er sich den Großteil seiner Haftstrafen durch spektakuläre Ausbruchsversuche eingehandelt. Mit dieser ungebrochenen Kraft arbeitet er nun an seiner letzten Flucht, die Schandl– diesmal legal – hinzukriegen hofft. Er will noch einmal nach Australien. Sein Sehnsuchtsland. Wo er vor langer Zeit gelebt hat und alles gut war. Ein kühnes Ansinnen. Denn außer der fetten Vorstrafe kann Schandl seiner großen Liebe Down Under wenig mitbringen. Das irritiert ihn nicht, denn Schandl hält und hielt sich selbst nie für einen Verbrecher und verfolgt daher ungerührt sein Ziel nebst seinen alltäglichen Verrichtungen, die da sind: Wohnung putzen, Einkauf, Körperertüchtigung im Schwimmbad. Kirchbesuch. Die Lokale der Umgebung erkunden. Stets unter penibler Umgehung von Menschenmassen und Körperkontakt. In sein Paradies im 4. Stock darf kaum jemand, und auch nur, wenn man sich vorher desinfiziert: Die Welt ist voller Dreck. Er spannt seinen Bewährungshelfer und die wenigen wohlgesinnten Menschen, die ihm geblieben sind, für sein Vorhaben ein. Selbst seine eigene Tochter will nichts mehr von ihm wissen. Das kann Schandl nicht verstehen, und anfänglich auch der Zuseher nicht. Man bedauert den alten Herrn. Aber nach und nach entblättert sich der nette Opa mit dem lieben Blick, und es tauchen die zunehmend verstörenden Facetten seiner Persönlichkeit auf.
Schandl baut seine Wahrheiten und Welten je nach Gegenüber und Situation wortgewandt neu. Er kennt keine Grenze zwischen gut und böse. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn. Darunter leidet er nicht, und er fühlt sich auch nicht einsam. Seine Ansichten und Haltungen werden immer unbegreiflicher und wie er selbst nicht fassbar. Kann es so jemanden wirklich geben? Doch. Schandl und seine Sicht der Welt sind real. Und damit mit unserer gegenwärtigen beängstigend deckungsgleich. Schandl ist ein moderner Mensch: so viel ICH war nie.

REGIESTATEMENT
Eine Substandardwohnung mit Aussicht auf eine Baustelle, ein netter, älterer Herr, der mangels nennenswerter Kontakte mit Gott telefoniert und nach 40 Jahren Gefängnis noch einmal nach Australien zu gelangen hofft. Ein karges Setting für die filmische Reise, wäre da nicht die Munterkeit des Protagonisten Adolf Schandl, der in seiner winzigen Küche vor laufender Kamera verkündet: »Wenn jemand eine Kamera auf mich richtet, geh ich. Ich brauch das nicht. Ich brauch niemand. Ich bin mir selbst genug.« Sprach’ s und blieb, denn Schandl liebt nichts so sehr wie »Bühne«. Sein Ego ganz »Master of the Universe« kennt soziales Verhalten nicht und fühlt sich dabei anscheinend pudelwohl. Nicht ihn hat man eingesperrt, sondern er hat die Welt ausgesperrt. Also haben wir uns auf die Suche nach der Lücke begeben, die der Teufel lässt. Wir haben sie gefunden. Die Menschlichkeit, die Sehnsucht. Eben das, was wir stets erhoffen oder erahnen bei skrupellosen Menschen. Bis auf die Tatsache, dass uns der nette ältere Herr auch damit wieder reingelegt hat.

Nächste Spieltermine:

Mi. 23. Mai 16.30 Uhr OdF Movie 3
Mi. 30. Mai 16.15 Uhr OdF Movie 3
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Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
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Nr 352 - Mai 2018
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