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Mustang

Mustang

FR/TR/DE, 2015, 94 min, OmdtU, R: Deniz Gamze Ergüven, K: David Chizallet, D: Günes Nezihe Sensoy, Doga Zeynep Doguslu, Elit Iscan, Tugba Sungurolgu, Ilayda Akdogan, Nihal G. Koldas 


Sommerliches Coming-of-Age-Drama, das bewegend von fünf Mädchen erzählt, die in der türkischen Provinz in veralteten Traditionen gefangen sind und dagegen aufbegehren.

Sommer in einem türkischen Dorf. Lale und ihre vier Schwestern wachsen nach dem Tod der Eltern bei ihrem Onkel auf. Als sie nach der Schule beim unschuldigen Herumtollen mit ein paar Jungs im Meer beobachtet werden, lösen sie einen Skandal aus. Ihr als schamlos wahrgenommenes Verhalten hat dramatische Folgen: Das Haus der Familie wird zum Gefängnis, Benimmunterricht ersetzt die Schule und Ehen werden arrangiert. Doch die fünf Schwestern – allesamt von großem Freiheitsdrang erfüllt – beginnen, sich gegen die ihnen auferlegten Grenzen aufzulehnen.
Der tristen Ausgangssituation, ein Haus, das zum Gefängnis zugemauert und vergittert wird, um als Fabrik für Ehefrauen zu dienen, begegnet die in Frankreich aufgewachsene Deniz Gamze Ergüven in ihrem Debütfilm statt mit Leidensschwere mit Leichtigkeit und erzählt die Geschichte von fünf Waisenschwestern, die zwangsverheiratet werden sollen, in lichten Sommerbildern eines idyllischen Dorfes an der türkischen Schwarzmeerküste. Statt Betroffenheit wohnt ihrem superb inszenierten Drama, das für Frankreich ins Oscarrennen geht und völlig zu Recht auf der Shortlist zur Nominierung steht, ein Zauber inne, der mit THE VIRGIN SUICIDES vergleichbar ist, diesen emotional sogar übertrumpft.
MUSTANG ist eine Geschichte des Eingesperrtseins, vor allem aber eine Geschichte über die Schwierigkeiten des Frauwerdens in einer türkischen Kultur, die jahrhundertelang von Männern geprägt wurde. Die sonnige Atmosphäre und die zarte Sinnlichkeit, die auch in der Schönheit der Mädchen zum Ausdruck kommt, bilden dabei ein tröstendes Gegengewicht zur erschütternden Härte der Ereignisse.

AUS EINEM INTERVIEW MIT
REGISSEURIN Deniz Gamze Ergüven
Sie wurden in Ankara geboren, sind aber hauptsächlich in Frankreich aufgewachsen. Wie kam es, dass Sie Ihren ersten Langfilm in der Türkei drehten?
Der Großteil meiner Familie wohnt in der Türkei, und mein Leben pendelt zwischen diesen beiden Ländern hin und her. Die Dinge, die derzeit in der Türkei geschehen, beschäftigen mich viel mehr als die in Frankreich. Die Türkei steckt im Umbruch, einfach alles verändert sich. Seit einiger Zeit hat das Land einen recht konservativen Weg eingeschlagen, aber man spürt dort immer noch eine starke Energie, etwas Ungestümes. Man hat das Gefühl, mitten in etwas drinzustecken, das jeden Moment losgehen kann – ganz egal, in welche Richtung. Das ist natürlich ein toller Nährboden für Geschichten.

Warum haben Sie diesen englisch klingenden Titel MUSTANG gewählt?
Der Mustang ist ein Wildpferd – das perfekte Symbol für meine fünf Heldinnen und ihr zügelloses, ungestümes Temperament. Auch visuell gibt es Parallelen. Ihre Haare gleichen Pferdemähnen und wenn sie durch das Dorf jagen, wirkt das wie eine Herde in Aufruhr. Die Geschichte schreitet stets voran, wie im Galopp. Diese Energie ist es, die für mich den Film ausmacht, und dafür ist das Bild des Mustangs perfekt.

Nächste Spieltermine:

Sa. 18. November 15:00 Uhr OmU City 2
Zum Reservieren klicken Sie bitte auf den gewünschten Termin. Bitte beachten Sie, dass u. U. nicht für jede Vorstellung reserviert werden kann.
Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
Mustang
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