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Mediterranea

Mediterranea

IT/FR/US/DE, 2015, 111 min, OmdtU, R: Jonas Carpignano, K: Wyatt Garfield, D: Koudous Seihon, Alassane Sy, Francesco Papasergio, Pio Amato, Vincenzina Siciliano, Pomodoro 


Drama um zwei Flüchtlinge aus Burkina Faso, die versuchen, in Italien Fuß zu fassen.

Ayiva hat sein Zuhause in Burkina Faso zurückgelassen und macht sich gemeinsam mit seinem besten Freund Abas auf nach Europa, um seine Tochter finanziell versorgen zu können. Die gefährliche Überfahrt mit einem Schmugglerboot überleben die beiden nur knapp. Angekommen in Italien, stoßen die beiden auf ein feindseliges Klima, das die Eingewöhnung in ihr neues Leben schwierig macht. Auf einer Plantage finden sie schließlich Arbeit und neue Freunde, doch als es zu gewaltsamen Übergriffen gegen Einwanderer kommt, steht für Ayiva und Abas alles auf dem Spiel…
MEDITERRANEA ist das Spielfilmdebüt des jungen Italoamerikaners Jonas Carpignano, der bereits für seine Kurzfilme A CIAMBRA und A CHIJÀNA mehrfach auf den Filmfestivals in Cannes, Venedig und Sundance ausgezeichnet wurde. Mit den Mitteln des Spielfilms arbeitet Carpignano die Hintergründe der Unruhen in Rosarno 2010 auf, bei denen mehr als 60 Menschen verletzt wurden und Tausende Migrantinnen und Migranten evakuiert werden mussten. Die Figuren des Films werden dabei von Flüchtlingen und Immigranten verkörpert, die selbst von den Unruhen betroffen waren und ihre eigenen Erfahrungen mit Flucht, Vertreibung und Fremdenfeindlichkeit in den Dreh einfließen ließen.

AUS EINEM INTERVIEW MIT
REGISSEUR Jonas Carpignano
Inwiefern liegt Ihnen die Geschichte des Films persönlich am Herzen?
Es wäre prätentiös, wenn ich behaupten würde, dass ich irgendetwas erlebt hätte, das den Erfahrungen der Immigranten in irgendeiner Form ähnelt – ich kann nur der außenstehende Beobachter in diesem Fall sein. Jedoch konnte ich aufgrund meines eigenen Hintergrunds die Geschichte mit ein paar persönlichen Verbindungen angehen. Meine Mutter ist Afroamerikanerin und mein Vater Italiener. Die Verhältnisse zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarben haben mich schon immer interessiert, insbesondere, was schwarze Menschen in Italien betrifft.
Als die Unruhen in Rosarno 2010 ausbrachen, bin ich sofort nach Kalabrien gereist, um mehr über die Hintergründe zu erfahren, die zu den Krawallen geführt hatten. Es waren Unruhen von historischer Bedeutung, denn diese haben eine Diskussion über die Situation von schwarzen Menschen in der italienischen Gesellschaft eröffnet. Ich habe mit Menschen über ihre Erlebnisse gesprochen, Geschichten für ein Drehbuch gesammelt und bin dafür nach Rosarno gezogen. Meine erste Begegnung mit Koudous Seihon (Ayiva) war dabei entscheidend. In ihm habe ich nicht nur einen meiner engsten Freunde gefunden, sondern auch einen Einstiegspunkt in die Welt, die ich beschreiben wollte, und vor allem den Protagonisten des Films.
Unser erstes Ergebnis war A CHIANA, ein Kurzfilm, der sich auf die unmittelbaren Geschehnisse der Krawalle konzentriert und mit dem ich einige Schlüsselthemen ausarbeiten konnte. Wir haben mit Methoden der kollaborativen Produktion experimentiert, bei der alle involviert waren, Schauspieler wie Crew.

Wie wurde aus dem Kurzfilmprojekt dann ein Spielfilm?
Wir waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden, aber mir war klar, dass der Kurzfilm nur an der Oberfläche gekratzt hat. Ich wusste, dass die Geschichte nach dem Format eines Spielfilms verlangt, und ich habe sofort mit dem Drehbuch hierfür angefangen. Ich wollte die Geschichte von Anfang an erzählen, von der Reise durch die afrikanische Wüste bis hin zum Kulturschock bei der Ankunft an der italienischen Küste. Ich wollte das schwierige Verhältnis zwischen Immigranten und der italienischen Bevölkerung näher untersuchen. Ich habe in Gioia Tauro, einer Kleinstadt in der Nähe Rosarnos, mein Produktionsbüro aufgebaut und meine Beziehung zu der Community der Immigranten immer weiter vertieft: Menschen, die ich traf, wurden neue Charaktere im Drehbuch. Ich hatte das Gefühl, genügend Material zusammenzuhaben, damit der Film funktioniert – und dann kam alles zusammen. Man weiß als Filmemacher nie, was passiert, aber wir hatten so viel Glück, dass es Investoren rund um den Globus gab, die an den Film geglaubt haben.

__ Bei aller Aktualität ist der Film aber keiner der üblichen, routiniert nach Schema F gestrickten Problemfilme, sondern eine ästhetisch risikofreudige und höchst persönliche Recherche auf nahezu unbekanntem Terrain. Was mancher an ausgefeilter Dramaturgie vermissen mag, wird durch die sinnliche Präsenz der Akteure und Szenen mehr als ausgeglichen. – kunst + film

Nächste Spieltermine:

Do. 19. Jänner 17:30 Uhr OmU City 1
Fr. 20. Jänner 17:30 Uhr OmU City 1
Sa. 21. Jänner 15:00 Uhr OmU City 2
Zum Reservieren klicken Sie bitte auf den gewünschten Termin. Bitte beachten Sie, dass u. U. nicht für jede Vorstellung reserviert werden kann.
Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
Mediterranea
Website zum Film:
www.filmladen.at/film/m...
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